Methode und Stil

BPMN erlaubt fast alles. Dieselbe Sache lässt sich auf ein Dutzend Arten ausdrücken, und alle sind formal korrekt. Genau darin liegt die Falle: Ein Modell kann der Spezifikation entsprechen und trotzdem unlesbar sein.

Eine Notation regelt, was erlaubt ist — nicht, was verständlich ist. Wer nur die Spezifikation lernt, bekommt ein Werkzeug ohne Handwerk. Das Ergebnis sind Diagramme, die jeder Prüfer durchwinkt und niemand liest.

Zwei Dinge, nicht eines

Method & Style von Bruce Silver ist die Antwort darauf — und der Name sagt bereits, dass es sich um zwei Dinge handelt.

Die Methode betrifft das Vorgehen: in welcher Reihenfolge man ein Modell erarbeitet, auf welcher Ebene man beginnt, wie man vom Überblick zur Ausführung kommt, ohne unterwegs den Zuschnitt zu verlieren.

Der Stil betrifft die Darstellung: welche der formal zulässigen Ausdrucksweisen man wählt, damit ein Dritter das Modell ohne Rückfrage versteht.

Woran man ein Modell nach Method & Style erkennt

  • Gateways formulieren eine Frage. Nicht „Prüfung“, sondern „Antrag vollständig?“ — und die ausgehenden Flüsse tragen die Antworten.
  • Aktivitäten stehen im Verb-Objekt-Stil. „Antrag prüfen“, nicht „Antragsprüfung“. Ein Prozess besteht aus Tätigkeiten, nicht aus Substantiven.
  • Jeder Prozess hat benannte Endzustände. Ein Modell, das mit einem einzigen namenlosen Endereignis schliesst, verschweigt, wie die Sache ausgegangen ist.
  • Die Ebenen sind sauber getrennt. Ein Diagramm auf einer Seite, fünf bis zehn Hauptaktivitäten, Details eine Ebene tiefer.

Aus einem mächtigen Standard wird so ein Verständigungsmittel. Das ist kein Schönheitsprogramm: Ein Modell, das falsch verstanden wird, ist schädlicher als gar keines.


Warum das im KI-Zeitalter wichtiger wird, nicht unwichtiger

Wenn eine Maschine Modelle vorschlägt, verschiebt sich die Arbeit des Menschen vom Zeichnen zum Beurteilen. Beurteilen kann aber nur, wer einen Massstab hat. Method & Style ist dieser Massstab — er macht entscheidbar, ob ein Vorschlag brauchbar ist oder bloss formal zulässig.

Deshalb prüft MESTRO jeden KI-Vorschlag nicht nur gegen das BPMN-Schema, sondern auch gegen die Notationsregeln, bevor er überhaupt erscheint.


Wir unterrichten das seit über fünfzehn Jahren

Unsere Schulungen folgen dieser Methode, und die Zertifizierung prüft sie. Wer bei uns abschliesst, hat nicht die Spezifikation auswendig gelernt, sondern an eigenen Modellen gezeigt, dass er verständlich modelliert.